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24.12.2007 - Heiliger Abend

Nachdem unser Boot am späten Vormittag endlich abgelegt hat, begann eine sehr erholsame Zeit. Wir saßen entweder auf dem Dach oder unten auf den bequemen Sesseln, mal schwatzten wir bisserl miteinander, mal haben wir im Führer gelesen oder einfach nur die vorbeigleitende Landschaft betrachtet.

Die Crew sorgte für unser leibliches Wohl, egal was wir wünschten - Wasser, Bier, etwas zu essen - es wurde sofort her- bei geschafft. isdntek1

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Obwohl eigentlich nichts Aufregendes passierte an und auf dem Wasser, gab es doch eine Menge zu sehen:

Haus am Fluss
Haus am Fluss
Nachschub per Boot
Nachschub per Boot

Entlang des Ufers leben anscheinend etwas wohlhabendere Menschen, kleine Häuschen mit Garten reihen sich aneinander wie die Perlen auf der Kette. Jedes Haus hat einen Zugang zum Wasser in Form einer kleinen Treppe und hier spielt sich das Leben ab - an einer Stelle wird die Wäsche gewaschen, in- dem sie immer wieder auf die Mauer ausge- schlagen wird, woanders werden die Töpfe gespült oder auch gleich Körperpflege ge- macht, Kinder haben am Wasser geplatscht und einige Männer sind sogar auch schwimmen gewesen. Das machen die Frauen nicht, da sie nur bekleidet ins Wasser gehen, also mit dem Saree und dann allenfalls bis zu den Knien. Ich habe mich immer wieder gefragt, ob die Frauen in Indien überhaupt schwimmen lernen.

Wir wurden auch auf ein besonderes Boot aufmerksam gemacht, welches sogar in einer Art Carport gesichert war. Mühsam fanden wir heraus, was es damit auf sich hat (die ausführliche Erklärung lieferte dann unsere Globetrotter-Bibel):

Mit diesen Booten werden jedes Jahr am zweiten Samstag im August Wettkämpfe ausgetragen. Die Boote sind mehr als 30 Meter lang und sehr schmal mit einem hoch aufgerichteten Bug, daher der Name chundan vallams (Schlangenboote), da sie an aufgerichtete Schlangen erinnern. Man kann es kaum glauben, aber in diesen Booten können bis zu 100 Ruderer sitzen. Mit diesem Fest wird an eine uralte Seefahrer- und Kampfkunsttradition in Kerala erinnert und viele Zuschauer begleiten das Rennen mit begeisterten Zurufen. Aber wenn es in der Winterzeit schon derart heiß ist in Kerala, wie ist es dann erst im August? Ganz sicher nicht für uns zu ertragen.

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Fast nicht anders zu erwarten, legten wir auch bei einem Händler an und kauften neben Riesengarnelen für das Abend- essen auch noch eine Kokosnuss für jeden von uns. Seit unserer Reise nach Sri Lanka lieben wir diese Getränk sehr, es erfrischt ganz ungemein und ist durststillend. Und als Nachtisch essen wir das Kokosfleisch! insdntek2

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Essen traditionell
Traditionelles Essen

Nach diesem kleinen Einkaufsbummel wurde uns das Mittagessen serviert - landestypisch auf Bananenblättern als Teller. Der Vorteil dieses "Geschirrs" ist nicht zu verachten, es entfällt das lästige Geschirrspülen. An Land werden auch ganz oft die Blätter eines mir nicht bekannten Baumes genommen und zu einem kleinen Teller geformt. Damit habe ich wie ich meine auch eine Erklärung für den Müll in den Städten gefunden - durch die Verwendung von natürlichen Materialien als Geschirr und im Haushalt wurden diese vermutlich schon immer nach Gebrauch einfach weg- geworfen und sind dann schließlich ganz verrottet, zurück blieb Erde.
Diese Verhaltensweise des Wegwerfens wird bis heute praktiziert, nur leider besteht jetzt vieles aus Plastik und weniger gut verrottbaren Materialien....

Romantischer Kanal
Romantischer Kanal

Schließlich glitten wir weiter über das Wasser dahin, Rainer war vom Essen und sanften Schaukeln ermüdet und hat einen kleinen Mittagsschlaf gemacht, was bei der Crew für Erschrecken sorgte, sie suchten ihn auf dem ganzen Schiff und waren erst zufrieden, als sie über seinen Verbleib aufgeklärt wurden. Zwei Frauen ohne Mann unterwegs - nein, das kann einfach nicht sein in Indien!
Dabei hat bei uns, solange sie bei uns war, immer die Tochter die Verhandlungen geführt und den Ton angegeben, was bei den Indern allgemein für nicht geringe Verwirrung sorgte *grins*

Abend am Fluss
Abend am Fluss

Als sich der Abend ankün- digte, stellten wir fest, dass sich das Boot schon wieder auf der Rückfahrt befand und auf unsere Fragen meinte man, man wolle am Anlegesteg übernachten. Nee, DAS wollten wir keinesfalls, erstens wäre es dort mit Sicherheit sehr laut, da wirklich Hunderte von Booten dort lagen, dann die Gerüche, weil eben alles an Ort und Stelle entsorgt wird und überhaupt.

Anlegen
Anlegen für die Nacht

Nach kurzer Debatte hatte man aber Verständnis für unsere Wünsche und suchte einen schönen Liegeplatz an einer relativ einsamen Stelle aus. Und damit wir nicht von anderen Booten beengt würden, wurde die Stelle extra so ausgewählt, dass vor und nach uns nicht genügend Platz für ein anderes Boot war.

Zufrieden lauschten wir den Geräuschen in der schnell einbrechenden Abenddämmerung, während der Koch am Heck schon mit dem Weihnachtsessen befasst war. Die 3 Crewmitglieder unterhielten sich mit leise einschläferndem Gemurmel und wir befanden, dass trotz dieser gemütlichen Atmosphäre und des Weihnachts- sternes am Bug unseres Bootes keine weihnachtliche Stimmung aufkommen wollte - es war einfach viel zu warm dafür.

So habe ich, als es dunkel war, kurzerhand eine knappe und sehr unweihnachtliche Bescherung durchgeführt. An- scheinend grad im richtigen Moment, denn kaum waren wir fertig, kam eine Gruppe von Kindern als die Heiligen aus dem Morgenland vorbei, sang "Jingle Bells" (klang zumindest in meinen Ohren so) und erbat sich eine kleine Gabe.
Während Rainer sein Portemonnaie erleichterte, flitzte ich zu meinem Rucksack, weil ich nun endlich etwas von dem Süß- kram aus Deutschland verschenken konnte, jedes der Kinder bekam ein Packerl Maoam. Gott sei Dank, ich esse das Zeug ja schon lange nicht mehr....
Aber die Kinder hat's gefreut schien mir und auch unsere Crew war recht angetan.

Damit begann nun der letzte Teil unseres Weihnachtsabends in Indien:
Das Abendessen war fertig und wurde serviert, wir haben es genossen, vor allem die Hausfrau, die das erste Mal an ei- nem Weihnachtsabend keinerlei Arbeit gehabt hatte.

Nach dem Essen hat man uns sogar noch eine Kerze spendiert, damit wir auf das Neonlicht verzichten konnten, aber lange haben wir nicht mehr gesessen, die Moskitos begannen zu fliegen und zu stechen, so dass wir sehr früh unsere Nachtruhe angetreten haben. xmas

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Das war also der Heilige Abend 2007 in Indien - zwar irgendwie so gar nicht weihnachtlich in dieser Hitze, aber dennoch romantisch, eine wunderbare Erinnerung.


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