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27.12.2007 - Eravikulam National Park

Unglaublich dieses Land!

Hatte ich noch vor zwei Tagen vor lauter Hitze kein Auge zu bekommen, so habe ich in dieser Nacht zur Abwechslung gefroren und das trotz einem zusätzlichen Strickjäckchen. Nun konnte ich auch verstehen warum dieser Ort bei den Indern so begehrt ist. Aber dass es gleich so kühl sein muss... es waren sicher keine 10 Grad in der Nacht gewesen und die Fensterscheiben waren morgens komplett beschlagen.

Rund um Munnar

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Unser Hauptziel war aber nicht die Kühle, sondern ein Besuch im Eravikulam National Park, dessen Attraktion eine fast zahme Berg-Ziegenart ist, die Nilgiri-Thars und wenn irgend möglich, wollte unsere Tochter hier endlich ihrer Leidenschaft frönen, dem Hillwalking.
Jetzt kam es nur noch darauf an, wo wir eine weitere Nacht hier oben verbringen konnten, beim Auschecken fragten wir daher gleich, ob man uns helfen könnte. Man bedauerte, selbst keine Zimmer anbieten zu können (was bei uns kein Grund zur Trauer war :), aber man habe einen Bungalow etwa 10 Kilometer vor Munnar ausfindig machen können - aha, geht doch!
Bis nun das Taxi kommen würde, wollten wir noch unser Frühstück nehmen, beschlossen allerdings nach einem Blick in den Frühstücksraum, ein Lokal im Ort aufzusuchen.

Hier sahen wir zum ersten Mal gleich haufenweise andere Touristen (Nicht-Inder), das war uns mittlerweile ganz unge- wohnt geworden.
Das Lokal lag sehr schön am Fluss und die Morgensonne strahlte freundlich herein. Die Bedienung war landesüblich sehr langsam und eine Familie mit vier kleinen Jungs musste ohne Frühstück aufbrechen, um nicht den Bus zu verpassen. Wir aber wussten, dass unser Taxi warten würde und nahmen uns die Zeit, die es in Indien nun mal dauert.

Ein Morgen in Munnar

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Immerhin klappte es hier mit unseren Getränkewünschen und das war schon eine Menge wert.

Wenn man in Indien Kaffee bestellt, bekommt man den reichlich gezuckert und schon mit Milch versetzt, das Gleiche mit dem Tee. Rainer mag Kaffee aber nur mit ganz wenig Milch und ohne Zucker und ich mag den Tee ohnehin nur ohne alles. In den ersten Tagen hatte Rainer noch versucht, Kaffee mit Milch und ohne Zucker zu bekommen, aber nachdem das einfach nie geklappt hatte, war unsere Bestellung jeden Morgen "One coffee, one tea, NO milk, NO sugar", dennoch ging es bestimmt jedes zweite Mal schief damit.
Alissa dagegen, die normalerweise nie Tee trinkt, hatte sich einfach angepasst und nahm morgens einen Chai oder auch mal Lassi, das war dann ihr Milchersatz.

terrassenblick Blick von der Terrasse des Bungalows

Als wir schließlich wieder beim Hotel waren, stand auch schon unser Taxi bereit und so ging es zurück Richtung Cochin den Berg hinab. Irgendwann bogen wir in eine winzige Steilstraße ab, dann noch jede Menge Kurven bis wir endlich da waren. Beim Anblick unserer neuen Bleibe dachten wir, wir träumen - der Bungalow war ein nagelneues Haus in fast europäischem Standard mit einem traumhaften Blick über das Tal, ungewöhnlich nur, dass die Hauswirtschafterin, eine Tamilin, in der Küche wohnte. Sie war sehr freundlich und lieb, aber leider konnte sie kein einziges Wort Englisch und wir natürlich weder Tamil noch Malayalam. Das war wirklich schade, weil sie sich so sehr um uns bemüht hat.

Nachdem wir unser Gepäck ausgeladen haben, ließen wir uns gleich zurück nach Munnar fahren und im Zentrum bei den Rikschas abladen, wo uns der Taxifahrer einem befreundeten Rikscha-Fahrer übergab. Das war Ganesh, ein freundlicher junger Tamile, sehr zurückhaltend, fast etwas scheu, richtig ungewohnt nach all den drängelnden und fordernden Fahrern der Vortage. Wir fragten ihn, ob er uns zum Eravikulam-Park fahren würde, was natürlich absolut kein Problem war. Unterwegs hielt er immer sofort an, wenn wir etwas Ungewöhnliches sahen, wie z.B. wilde Christ- sterne im Heckenformat, da sprang das Herz der Gärtnerin natürlich sofort auf!

Auf dem Weg zum Eravikulam Park

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Da Munnar das Zentrum eines der höchstgelegenen Teeanbau-Gebiete ist und die Mutter von Ganesh eine Teepflückerin, kannte er sich natürlich mit allem, was mit Tee zusammenhängt, sehr gut aus und während der Anfahrt zum Nationalpark wurde uns ganz nebenbei alles Wisssenwerte zum Tee vermittelt. So hatten sich Teepflückerinnen am Straßenrand niedergelassen, aber nicht zu einer Pause, wie ich zuerst dachte, sondern um den zuvor grob gepflückten Tee zu belesen. Zwar hatte Ganesh uns gezeigt, welche Blätter dran bleiben und welche weg müssen, aber ehrlich, ich konnte kaum einen Unterschied erkennen und fand die weggeworfenen Blätter eigentlich auch noch gut genug...

Alles über den Tee

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Die Pflückerinnen waren ganz begeistert, dass sich Touristen so viel erklären und zeigen ließen und immer wieder forder- ten sie Ganesh zu weiteren Erklärungen auf, denn auch sie konnten alle kein einziges Wort Englisch.
Zum Abschied winkten sie uns noch lange hinterher. Tee, nichts als Tee
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Welcome in Eravikulam Park
Willkommen im Eravikulam Park
Schlangen am Schalter
Schlangen am Schalter

Schließlich erreichten wir den Eingang des National- parks, wo in drangvoller Enge ein ganz unglaubliches Gewusel herrschte - Busse zwängten sich in die schma- le Bergstraße, dazwischen lauter Verkaufsstände für alles, natürlich ganze Horden von Tuktuks und Unmengen von Menschen, überwiegend Inder, aber auch einige we- nige Touristen. Mit Hilfe von Ganesh ergatterten wir in diesem Gewusel doch noch unsere Eintrittskarten - fast schäme ich mich zu sagen, dass wir als Nicht-Inder bevorzugt abgefertigt wurden-, wurden gleich in einen Bus gepackt und weiter ging es auf der gewundenen Straße durch endlose Teefelder Richtung Gipfel.

Der sauberste Park in Indien!
Der sauberste Park in Indien!

Am eigentlichen Park angekommen war wieder ein Kiosk, hier konnte man neben Eis und anderen Leckereien auch noch Karten und Souvenirs erwerben.

Wasserflaschenverbot!
Trotz Verbotes durften alle Flaschen
mitgenommen werden

Auf dem Gelände herrschte ein strenger Hausmeister, der uns erst Richtung Park gehen ließ, nachdem wir unser Eis gegessen und die Abfälle vor seinen Augen in die bereitstehenden Müll- tonnen entsorgt hatten - das war nicht nur das erste Mal, sondern auch das einzige Mal, dass Abfallkörbe bereitstanden. Für uns war es ganz normal den Müll darin zu entsorgen, aber das wusste unser gestrenger Aufpasser natürlich nicht. Mit je einer Buddel Wasser bewaffnet stiegen wir nun auf einer un- gewöhnlich gut angelegten Straße weiter den Berg hinauf, umgeben von vielen indischen Familien und jungen Pärchen, die ganz offensichtlich in den Flitterwochen waren.

König der Berge
König der Berge

Irgendwann entdeckten wir dann auch die Ziegen, die tatsächlich ziemlich zutraulich waren und sich in aller Ruhe von allen Seiten fotografieren ließen.

Endstation!
Unnachgiebige Park-Rangers

So erreichten wir nach einiger Zeit das Ende des Parks und wurden von einem Parkranger am Wei- tergehen auf der Straße gehindert. Dieses Mal gab es aber trotz aller Diskussionen und Versuche zu verhandeln kein Pardon, wir muss- ten leider wieder umkehren ohne den Gipfel tatsächlich erreicht zu haben.

Auf dem Rückweg meinte eine zutiefst enttäuschte Alissa, dass sie, wenn sie schon wieder kein Hillwalking machen dürfte, wenigstens nicht mit dem Bus zum Parkeingang fahren, sondern den Weg hinab wandern wollte und so geschah es dann auch - frohgemut und immer wieder die zwar gleichförmigen, aber doch irgendwie auch immer wieder anders aussehenden Teefelder fotografierend begaben wir uns auf den etwa 5 km langen Heimweg.

Auf dem Heimweg
Auf dem Weg bergab
Teefelder, immer wieder Teefelder
Verwunschene Landschaft

In den im Pendelverkehr vorbeifahrenden Bussen deuteten die Inder immer wieder amüsiert auf uns, keiner konnte verstehen, was einen treiben konnte zu Fuß zu gehen, wenn doch eine Fahrtmöglichkeit be- stand, die obendrein sogar bereits bezahlt war.
Nachdem wir etwa die Hälfte der Strecke zurück gelegt hatten, wurden wir von einem Bus gestoppt und auf- gefordert einzusteigen, was wir aber dankend ablehnten. Der Fahrer insistierte schulterzuckend nicht länger und setzte seine Fahrt fort. Allerdings war der nachfolgende Busfahrer nicht mehr so milde - er wollte uns tatsächlich mit sehr viel handfestem Nachdruck in den Bus befördern, was eine wütende Alissa aber strikt ablehnte, so dass sich zwischen den Beiden ein regelrechtes Geschrei entspann... der Fahrer meinte, es sei verboten, zu Fuß zu gehen und Alissa wollte das Verbot schriftlich nachgewiesen haben, was natürlich nicht möglich war. Also setzte sie ihren Weg wutentbrannt und unbeirrt fort.
Wir beiden Alten zögerten etwas, da wir uns so ein Auftreten eher nicht erlaubt hätten als Touristen, aber wir konnten unsere Tochter auch nicht alleine laufen lassen und so folgten wir ihr dann auch. Der Busfahrer gab nach und von da an wurden wir kein weiteres Mal mehr zum Einsteigen aufgefordert. Also wieder - geht doch, man muss sich halt nur durch- setzen!

Am Aussichtspunkt
Am Aussichtspunkt

Am späten Nachmittag nach einer wirklich schönen Wanderung entlang der Teefelder erreichten wir unser Tuktuk mit Ganesh und zurück ging es nach Munnar. Eigentlich hätte Alissa noch zu Mittag essen wollen, aber irgendwie hatten wir das verpasst und so mussten wir noch bis zum Abend warten. Daher haben wir in Munnar nur noch ein paar Einkäufe gemacht, ein Internet-Café aufgesucht und uns schließlich von Ganesh zu unserem Bungalow fahren lassen - für ein Tuktuk war das eine ganz schön weite Strecke.
Doch zuvor ließ es Ganesh sich nicht nehmen, mit uns zu einem be- sonderen Aussichtspunkt zu fahren, wo wir unseren an diesem Tag ge- schossenen Bildern noch eine ganze Menge hinzufügten....

In der Nähe des Bungalows gab es ein sehr auffällig bemaltes Restaurant namens Bella Vista, wo wir nun endlich auch unseren Hunger stillen wollten. Zwar war es schon dunkel, aber leider noch lange vor 20 Uhr, also eigentlich zu früh zum Essen, andererseits meinte Alissa, die in Indien eh noch dünner geworden war, dass sie umkippen würde, wenn sie nicht bald essen könnte, also verhandelten wir mit dem Kellner, ob es nicht möglich sei, den Koch schon vorher an die Arbeit zu bringen.
Es entspann sich eine Wobble-reiche Diskussion darüber, so dass es ohnehin fast 8 Uhr war, als wir unser Essen endlich auf dem Tisch stehen hatten.

Warten auf die Zimmerbesichtigung
Warten auf die Zimmerbesichtigung
unserer nächsten Bleibe

Das Personal war ganz ausserordentlich bemüht um uns, aber machte auch einen etwas gestressten Eindruck, ganz so, als hätten sie noch nie Nicht-Inder zu bedienen gehabt und eine große Angst, etwas falsch zu machen. In der Hoffnung, Ihnen das Leben etwas zu erleichtern, bestellten wir schon am Abend das Frühstück für den anderen Morgen mit einer Uhrzeit, da wir auch schon das Taxi für den Umzug nach Munnar geordert hatten - es wurde uns mehrmals am Tag mitgeteilt, dass der schöne Bungalow ab den folgenden Tagen ausgebucht sei und so hatte uns Ganesh bereits eine andere Bleibe in Munnar organisiert.

Nach dem Essen habe ich mich noch ein paar Minuten auf unsere Terrasse gesetzt und den Sternenhimmel über Munnar bewundert, dann war wieder ein langer und sehr ereignisreicher Tag zu Ende.


Ganesh
Tuktuk-Fahrer Ganesh
Rickshaw-Fahrer
Ganesh

Handy: +91-477-978832
Bietet auch Wanderungen an







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