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25.12.2007 - Alleppey

Mein Gott - was war das für eine Nacht!
Und was war ich jetzt so froh, dass wir das Boot nur für eine Nacht bekommen haben...

Wegen der Mücken mussten wir die Fenster geschlossen halten und die Klimaanlage funktionierte leider nicht. So rührte der Ventilator die schwüle Hitze wie in einer Teigschüssel herum, ohne dass es eine Erleichterung gewesen wäre. Nor­maler­wei­se bin ich eher eine Frierkatze, aber in die­ser Nacht habe ich buchstäblich in meinem eigenen Wasser gelegen und kaum ein Auge zu bekommen.

Raffinierte Ananas
Lecker angerichtete Ananas

Was für eine Genugtuung am Morgen erst in die Dusche zu springen und Fenster und Türen aufzureißen!
So begann unser letzter Tag auf den sonnenüberfluteten Backwaters.

Es gab wieder ein opulentes Essen zum Frühstück, gekrönt von einer kunstvoll auf­ge­schnitte­nen Ananas. Da hat sogar Alissa zugegriffen...
Dann fuhren wir lang­sam zum Hafen zurück, der angenehme Fahrtwind versöhnte mich wieder mit den Strapazen der schlaflosen Nacht und ich genoß die letzte Stunde auf den Backwaters sehr.

Und während ich faulenzte, arbeitete Alissa schon wieder - sie telefonierte ein Ho­tel nach dem anderen, eine Unterkunft nach der anderen ab, es sah nicht gut aus...
Wir waren zu einem sehr schlechten Zeitpunkt in Südindien un­ter­wegs, nämlich zwischen den Jahren und da gönnen sich wohl auch fast alle Inder etwas Gutes, ein paar Tage Entspannung an den schönsten Flecken ihres Landes.
Aber schlussendlich haben wir dann doch noch ein Plätzchen für die Nacht gefunden, eine private Unterkunft bei einer sehr netten Familie, dazu noch gar nicht weit vom Anlegesteg entfernt.

Wasseransichten

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Nach meinen bisherigen Erlebnissen in Indien habe ich mich aber gar nicht mehr aufgeregt, ich war sicher, immer ein Bett für die Nacht zu finden, es ist halt nur eine Frage des Geldes und der eigenen Kompromiss-Bereitschaft in punkto Sau­ber­keit.
In diesem Fall mussten wir aber nicht mal Kompromisse eingehen, die Zimmer waren sauber und ordentlich und das Bad sogar nagelneu.

So endete unser Ausflug auf den Backwaters am frühen Vormittag um 9 Uhr, wir verabschiedeten uns von der Crew, schulterten unser Gepäck und dackelten Richtung Unterkunft. Lange mussten wir nicht laufen, da wurden wir von einem Taxi aufgepickt und komfortabel zum Haus gefahren.

Palmy Lake Resort
Palmy Lake Resort

Das Haus lag in einem kleinen Gärtchen mit einem mit Kies bestreuten Hof davor. Direkt neben dem Eingang war unter einem Strauch wunderschön geschmückt eine Weihnachts-Krippe aufgebaut. Wegen der Hitze kam mir dieses Szenario allerdings fremd vor, dabei war es wirklich eine sehr schöne Krippenszene.

Wir wurden von der freundlichen Hausherrin empfangen und erhielten unsere Zimmer zugewiesen. Das für uns Ungewöhnliche war, dass unser Zimmer komplett im Innern des Hauses war - unsere Fenster gingen alle auf einen Flur hinaus, konnten jedoch mit einem Fensterladen verschlossen werden.

2 kleine Hunde
Diese Hunde hätt ich gern mitgenommen

Normalerweise werden die Gäste in Palmenhütten auf dem Grundstück un­ter­ge­bracht, leider waren diese alle belegt. Da wir aber nur eine Nacht bleiben wollten, war uns die Übernachtung im Haus genauso Recht.

Zur Freude unserer hundenärrischen Tochter gab es in einem Hundezwinger auch zwei ganz junge Hunde. Und natürlich hatte sie nichts Besseres zu tun, als gleich ihre Hände in den Käfig zu stecken und mit den Hunden zu schmusen, mit dem Erfolg, dass einer der beiden mit den noch ganz spitzen Zähnchen ihren Finger anritzte. In den folgenden Tagen behielt sie diesen Finger dann ständig im Auge aus Sorge, es könnte sich vielleicht Tollwut ausbilden. Aber sie war dagegen geimpft - was die Tollwut um 3 Tage rauszögert - und wurde mit meinem Desinfektionsmittel versorgt, so verlief die­ser Vorfall ohne weitere Folgen, Gott-sei-Dank. Palmy Lake Resorts

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Ayurveda-Zentrum
Ein Ayurveda Zentrum

Auf dem Weg zum Haus sahen wir in der glei­chen Straße ein Ayurveda-Zentrum und die Hausherrin machte sofort einen Termin für uns dort aus, der sogar kostengünstiger war, da sie für eine Behandlung einen Rabatt bekam. So sollte ich endlich zu meiner gewünschten Massage kommen. Leider musste ich mich damit noch bis zum Nachmittag gedulden, da vorher keine Termine frei waren. Also beschlossen wir, zu Fuß ins Stadtzentrum zu laufen und den Tag bis zum Massage-Termin dort irgendwo zu verbringen, am liebsten am Strand.

Berufliche Neugier
Berufliche Neugier auch noch im Urlaub

Auf dem Weg hielt ein ums andere Mal ein Tuktuk an und nach harten Verhandlungen bestiegen wir schließlich doch eines - ei­gent­lich lohnte es sich nicht mehr, wir waren schon fast im Zentrum an­ge­kom­men, aber das Laufen in der schwülen Hitze ist doch beschwerlich und so ein "Frischluft"-Taxi immer sehr angenehm.

Der Fahrer wusste anscheinend, nach was es Europäern gelüstet und bot uns an, uns zu einem wunderschönen Strand zu fahren. Badezeug hatten wir dabei, auch Handtücher hatte uns unsere Hausfrau mitgegeben, also nahmen wir das An­ge­bot dankend an.

Unterwegs kamen wir an einem Hotelkomplex am Strand vorbei und unser Fahrer nannte uns die Preise, unbezahlbar für uns. Immer weiter ging es hinaus aus der Stadt und schließlich erreichten wir den wirklich traumhaften Strand... Feiner weißer Sand, so weit das Auge reichte und gleich dahinter genügend Schatten durch lichte Palmenwälder.
Zum Entsetzen unserer Tochter wech­sel­ten wir am Strand unsere Kleider, allerdings als Zugeständnis an die indischen Mo­ral­vor­stellungen unter dem Badehandtuch verborgen, und stürzten uns in die Fluten. Während Rainer wie immer seine Badehose anhatte, zog ich über meinen Badeanzug noch ein T-Shirt, eine unangenehme Schwimmerei ist das damit, aber wenn es die Inder so wollen...
Die rückten ziemlich dicht auf, als sie sahen, was vor sich ging und ich kann jetzt nachvollziehen, wie sich von Papparazzi umlagerte Stars fühlen müssen.

Unsere Tochter verzichtete daraufhin vollkommen auf einen Kleiderwechsel, soll heißen, sie ging schwimmen mit allem, was sie am Leibe trug. Ich sah es kopfschüttelnd, aber auch das interessierte die indischen Männer am Strand extrem. Die erhohlen sich anscheinend nur am Strand, schwimmen war ausser uns kein Mensch, obwohl das Wasser wirklich super war und der Strand viel zu schade, um nicht genutzt zu werden. Aber da gehen europäische und indische Vor­stellung­en wohl kilometerweit auseinander. Strandleben

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Zum Trocknen spazierten wir dann den Strand auf und ab - ich wagte es nicht, mich mit dem Badeanzug hinzulegen und war zusätzlich noch in das Badehandtuch eingewickelt - doch die indische Sonne trocknete uns im Flug.


Es wurde Zeit und Hunger bekamen wir allmählich auch, also holten wir unseren Fahrer herbei und ließen uns in die Stadt zurück fahren. Er empfahl uns ein kleines Restaurant, welches zwar recht sauber war, aber leider war höchstens jedes dritte Menü auf der Karte verfügbar. Nachdem wir ständig Menüs auswählten, die es nicht gab, wollten wir es einfacher haben und vom Kellner wissen, was er überhaupt hat. Aber DAS geht in Indien gar nicht und so gestaltete sich das Ordern sehr mühsam begleitet von vielen verschiedenen "Kopfwacklern" unseres Kellners.

Das ist auch so ein für uns Europäer ungewohntes Ding, das Wobbeln, also das Kopfwackeln und ich glaube, wir werden die jeweilige Bedeutung nie richtig erfassen.
Was ist "Wobbeln"?

In Indien macht man es anders als bei uns - wir nicken bei Ja und schütteln den Kopf bei Nein. Der Inder, besonders der Südinder, schaukelt den Kopf verschieden heftig und zwar immer, also bei Ja genauso wie bei Nein und immer in der glei­chen Ebene.
Beobachtet man ein Gespräch unter Indern, sieht man häufig, dass der Zuhörende ständig mit dem Kopf wobbelt, manch- mal ganz schwach und manchmal sehr ausgeprägt, das bedeutet aber nicht, dass schwach Ja oder auch immer nur Nein heißt, man muss es wohl eher erfühlen, was die jeweilige Bedeutung im Moment ist.
Solche Gepflogenheiten erschweren Bestellungen enorm - "Haben Sie dieses Menü?" - Wobble, wobble - "Gut, wir be­stell­en es" - We don't have - "Ah, und was ist mit diesem Menü?" - wobble, wobble - "Haben Sie das?" - wobble, wobble - und so geht es dahin mit vielem Gewobble.

Auf jeden Fall fanden wir heraus, dass man die Fragen so einfach wie möglich gestalten muss um eine zutreffende Aussage zu erhalten, also niemals "Haben Sie das ODER das?" - Bei die­ser Fragestellung wird man nie zum Ziel kommen, nur viele, viele Wobblers ernten. Besser ist es, so klar wie möglich zu fragen "Können wir das haben?" das zwingt eher zu einem Ja oder einem Nein.
Und warum ist das so?
Ich habe das Gefühl, dass man in Indien ganz ungern Nein sagt oder ich weiß es nicht und bevor man diese Auskunft gibt, belässt man die Antwort lieber schwebend, es könnte ja sein, dass man später doch noch etwas anbieten kann, was einem Ja gleich kommt.

Weihnachtsmarkt
Weihnachtsmarkt in Alappuzha

Damit deckt sich auch, dass man sich auf keine Auskunft wirklich fest verlassen kann, wie wir später wieder feststellen mussten. Heißt es noch am Abend, das Zimmer ist am anderen Tag ausgebucht, wird einem morgens dann oft gesagt, ihr könnt doch noch bleiben. Und auch anders herum - hat man ein Zimmer reserviert, kann es passieren, dass es bei der Ankunft bereits vergeben worden ist. Auch das ein Problem, mit dem wir bisher so nie konfrontiert waren bei früheren Reisen.
Aber da man dennoch immer auch eine andere Lösung findet, ist diese Un­ge­wiss­heit nicht wirklich schlimm, man könnte sagen, sie fördert die eigene Flexibilität, wenn man nicht schon von vorneherein anpassungsfähig ist.

Regal im Empfang
Ein Regal im Empfangsraum

Nach dem Essen mach­ten wir noch einen kleinen Gang über die mit weihnachtlichem Flitter geschmückte Straße, die voller Leben war - Händler boten ihre Waren an, manches davon war echter Plunder, anderes dagegen nützliche Haushaltsgegenstände oder Le­bens­mit­tel und dazwischen viele Familien, die offensichtlich frei hatten und den Tag mit Einkäufen genießen wollten, es gab viel Spielzeug für Kinder, die auch reichlich beschenkt wurden.
Schließlich gabelte uns unser Fahrer wieder auf, fuhr uns zurück und setzte uns beim Ayurveda-Zentrum ab.

Während das Büro und die Räumlichkeiten selbst den üblichen her- untergewirtschafteten Eindruck mach­ten - ein Anstrich der abblätternden Farbe wäre durchaus vorteilhaft gewesen und auch ein neues Regal wär nicht schlecht - muss ich sagen, dass ich noch nie eine derart gute Massage bekommen habe. Trotz des wenig ansprechenden Äusseren würde ich dort jederzeit wieder hingehen.
Und hinterher wurde ich mangels Dusche auf einem Hocker sitzend wie ein kleines Kind vom Hals abwärts bis zu den Füßen abgeseift, nicht einen Handschlag musste ich selber machen und ich habe das tatsächlich sehr genossen. Lediglich die Haare durften nicht gewaschen werden, erst anderntags und so hatte ich nun die gleiche Haartracht wie alle Inderinnen, die Haare hingen fast glatt und ölig glänzend herunter, nur einige wenige meiner Locken schafften es dagegen anzukämpfen und ein paar müde Ringler zu machen.

Abschied
Abschied von unserem Tuktuk-Fahrer
und seiner Familie

So ging es nun in den letzten Teil das Tages über - Alissa hatte sich ein Weih- nachtsessen in einem guten Lokal am Hafen gewünscht. Leider mussten wir dann auf unseren Fahrer verzichten, er fuhr uns nur noch ins Zentrum zusammen mit seiner Frau und dem kleinen Sohn, die bei ihm auf dem Sitzplatz vorne dabei saßen (was bei weitem noch nicht die höchstmögliche Beladung eines Tuktuks ist!). Dort gingen sie dann zu einem riesigen Hindu-Fest, es war ein Gewühle und Geschiebe im Zentrum und wir hatten Mühe nicht von den dahinströmenden Menschen mitgenommen zu werden.
Schließlich fanden wir doch noch ein anderes Tuktuk und ließen uns zum Hafen- Restaurant fahren. Leider war es schon dunkel, so dass wir die Lage am Strand nicht wirklich erkennen konnten, aber es muss sehr schön gelegen sein, nur Sand zwischen Restaurant und Wasser mit Blick auf einen Leuchtturm.
Das Restaurant selbst war ungewöhnlich schön hergerichtet und wir waren etwas in Sorge, ob wir uns das leisten könnten, aber die Sorge war unbegründet. Zwar war es nicht gerade das billigste Restaurant, aber die Preise waren nicht unangemessen und wir haben das Abendessen sehr genossen.
So war auch der erste Weihnachtsfeiertag in Alappuzha gebührend zu Ende ge­gang­en.


Weihnachtliches Essen
Warten auf das Weihnachtsessen



Palmy Lake Resorts
Palmy Lake Resorts
Empfehlenswerte Unterkunft
Palmy Lake Resorts
Punnamada Rd. East
Alleppey

Tel.: +91-477-2235938
eMail: palmyresorts@yahoo.com
Palmenhütten ab 750 Rs



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